Joschi und Eileen

… und dann kam Joschi!

Drum prüfe wer sich ewig bindet.

Eileen Moritz

Seit Januar 1996 bin ich Mitglied im Verein Hunde für Handicaps.
Damals kam ich mit meiner kleinen West Highland White Terrier (Westi) Hündin Liese, die ich mir als Welpen ohne jede Beratung zugelegt hatte.
Als gute Grundlage sah ich es damals an, dass bei mir um die Ecke ein Hundetrainingsplatz war. Dort ließ man mich dann aber mit Liese nicht mit trainieren, weil ich mich weigerte dem kleinen Westi ein Würgehalsband umzulegen und weil Liese aus rollstuhltechnischen Gründen auf der rechten und damit angeblich falschen Seite lief.

Also fand ich Hunde für Handicaps und sollte in den Folgejahren lernen, was mit Hunden alles möglich ist.
Obwohl Liese einige Hilfeleistungen, wie apportieren, Lichtschalter und Türen öffnen (an der Schnur) lernte, war sie nie geeignet als Behindertenbegleithund anerkannt zu werden, da sie von ihrem Wesen her einfach nicht ausreichend belastbar war und Probleme mit anderen Hunden hatte. Dies war eine sehr schmerzliche Erkenntnis für mich, da ich meine eigene Hündin, und ich glaube so geht es vielen Menschen, für die Beste hielt.



Ein ausgebildeter Behindertenbegleithund, ein Golden Retriever, der alle toll findet und zu Allen freundlich ist, kam für mich einfach nie in Betracht. Ich liebte ja die Zickenallüren meiner inzwischen alt gewordenen Terrier Hündin Liese, die nun ein Leben als „duftendes Schnarchkissen“ führt.

Doch dann entwickelte sich im Verein das Programm der Selbstausbildung nach dem Patenprogramm und das passte genau für mich. Denn ich wollte ja selbst mit einem Hund arbeiten und ihn ausbilden.
Joschi kam also, nachdem er in der Patenfamilie liebevoll aufgezogen wurde, zu mir.
Er war sowohl gesundheitlich, als auch von seinem Wesen her als geeignet für eine Ausbildung überprüft worden. Er war stubenrein, kannte die Grundbegriffe des Gehorsams und war bereits größtenteils Leinenführig. Wir hatten also die allerbesten Startbedingungen, um die Ausbildung zum Behindertenbegleithund zu beginnen.
Manchmal befiel mich eine Sehnsucht, dann dachte ich, wie schade, dass ich Joschi nicht schon als Welpen bei mir hatte. Dann schnappe ich mir das liebvoll geführte Tagbuch der Patenfamilie, blättere immer wieder die schönen Fotos durch und bin inzwischen ganz vertraut mit seinen Erlebnissen als Welpe. Außerdem mache ich mir dann klar, dass es mir einfach nicht mehr möglich gewesen wäre einen Welpen zu versorgen. Meine körperliche Situation hat sich inzwischen so verändert, dass ich es einfach nicht mehr geschafft hätte nachts schnell nach draußen zu hetzen, den Welpen im Ansatz von pinkeln hoch zu nehmen und nach draußen zu bringen, die Seen und Haufen aufzuwischen usw. Inzwischen ist mir Joschi so ans Herz gewachsen, wie es mehr hätte nicht sein können, wenn er schon als Welpe bei mir gewesen wäre.


Tja, dann war da noch dieser Brocken der Prüfung vor uns.
Wir übten also fleißig, um die Hilfeleistungen und die Theorie für die Prüfung zu lernen. Die Übung und der Alltag schweißten uns noch mehr zusammen. Joschi hatte solch eine Freude am Lernen, war so einfach zu motivieren, dass ich oft ganz angerührt war. Um ihn musste ich mir also für die Prüfung keine Sorgen machen. Was er verstanden hatte, zeigte er zuverlässig. Ich musste also lernen darauf zu vertrauen, die Nerven zu behalten und vor allem: dass was ich gelernt hatte, zuverlässig zu zeigen.

Am 22.10.2010 war es dann soweit, die von der IHK zertifizierte Assistenzhund Team-Prüferin kam zu uns nach Hause, um uns für die Prüfung abzuholen.
Bei der Assistenzhund Team Prüfung wird darauf geschaut wie sich der Hund im alltäglichen Leben verhält. In der Wohnung, beim Ein- und Aussteigen ins bzw. aus dem Auto, im Freilauf, mit anderen Hunden, Kindern Radfahrern usw. Ein weiterer Inhalt der Prüfung ist der so genannte Stadtgang, dabei wird auf das Verhalten in der Stadt, in öffentlichen Verkehrsmitteln, das Warten vor einem Laden usw. geschaut. Dann soll der angehende Behindertenbegleithund natürlich auch seine Hilfeleistungen zeigen. Bei mir waren dies, das Bedienen von Türen, das Tragen und händeln von Packtaschen und Bedienen von Schaltern für das Rufen von Fahrstühlen usw. Das zuverlässige Bringen von unterschiedlichsten Gegenständen ist selbstverständlicher Inhalt der Prüfung.

Joschi und ich sind nun das zweite erfolgreich geprüfte Assistenzhund-Team nach der neuen Prüfungsordnung.

Heute genieße ich es, einen großen Hund zu haben, den ich immer erreichen und anfassen kann, ohne mich halb aus dem Rollstuhl zu stürzen. Einen Hund zu haben der niemals unangenehm auffällt der freundlich ist zu den Menschen und mit seinem bloßen Erscheinen  Freude auslöst.